Digitale Helfer und Wellpappen
Im Juli gibt es auf der Streuobstwiese viel zu tun und zu beobachten. Wir möchten heute ein paar völlig unterschiedliche Werkzeuge vorstellen, die uns aktuell bei der Arbeit helfen: Unsere Apps zur digitalen Dokumentation und einen extrem simplen, analogen Trick aus der klassischen Baumpflege.
### Digitale Helfer: MistelMonitor und AmeisenAtlas
Wer unsere Wiesen pflegt, weiß, dass die Dokumentation von Beständen und Lebensräumen auf einem großen Gebiet oft mühsam ist. Um uns und allen ehrenamtlichen Helfern die Arbeit zu erleichtern, setzen wir zur Erfassung direkt vor Ort auf eigene Smartphone-Apps.
Der MistelMonitor: Wie beim Runden Tisch bereits besprochen, ist die Ausbreitung der Mistel ein zentrales Problem für unsere Bäume. Mit dem MistelMonitor können wir befallene Bäume per GPS erfassen und den Grad der Ausbreitung festhalten. So wissen wir im Winter beim Schnitt exakt, wo wir am dringendsten ansetzen müssen.
Der AmeisenAtlas: Ameisen sind ein wichtiger Indikator für ein intaktes Ökosystem auf der Streuobstwiese. Der AmeisenAtlas hilft uns dabei, die Standorte von Ameisennestern georeferenziert zu kartieren und ihre Entwicklung über die Jahre zu beobachten.
Neu in Entwicklung: baumplan.io
Neben diesen beiden spezialisierten Helfern arbeite ich aktuell an einem weiteren, übergreifenden Projekt: der Wiesen-App baumplan.io. Ziel dieser Anwendung ist es, komplette Streuobstwiesen und jeden einzelnen Baum darauf GPS-genau zu erfassen und detailliert zu dokumentieren. Das wird uns künftig enorm dabei helfen, den Überblick über Sorten, Zustände und anstehende Pflegemaßnahmen auf unseren Flächen zu behalten.
Wer einen ersten Blick darauf werfen möchte: Ich werde beim kommenden Stammtisch eine Beta-Version von baumplan.io vorstellen und freue mich auf euer Feedback.
### Der Wellpappen-Trick gegen den Apfelwickler
Neben der digitalen Erfassung gibt es auch ganz handfeste, analoge Maßnahmen. Ein Klassiker im Juli ist die Kontrolle des Apfelwicklers – das ist der Falter, dessen Raupen für den sprichwörtlichen “Wurm im Apfel” verantwortlich sind.
Jetzt im Hochsommer verlässt die erste Generation der Raupen die Äpfel und sucht sich am Baumstamm ein Versteck, um sich zu verpuppen. Hier kommt die Wellpappe ins Spiel:
Wir schneiden etwa 15 bis 20 Zentimeter breite Streifen aus ganz normaler Wellpappe ab und binden sie wie eine Manschette fest um den Stamm der Apfelbäume. Die Pappe bietet mit ihren Hohlräumen das perfekte, dunkle Versteck. Die Raupen kriechen gezielt in die Rillen, um sich dort einzuspinnen.
So funktioniert es in der Praxis:
Die Wellpappe wird jetzt im Juli um den Stamm gelegt und festgebunden.
Nach ein paar Wochen nehmen wir die Pappe vorsichtig ab.
Die Pappe wird samt der darin verpuppten Raupen direkt im Restmüll entsorgt (bitte nicht auf den Kompost werfen).
Diese Methode ist komplett giftfrei, schont alle Nützlinge auf der Wiese und reduziert den Befall durch die zweite Generation spürbar. Manchmal sind die einfachen Werkzeuge eben immer noch die besten.