Richtig mähen mit der Sense
Im Juni steht das Gras auf der Streuobstwiese oft kniehoch. Der erste Impuls ist dann manchmal: Der Aufsitzmäher oder Freischneider muss her, um alles sauber abzumähen. Doch für die Wiese und ihre Bewohner ist es viel besser, wenn das Gras größtenteils stehen bleibt. Wir greifen stattdessen zur Sense und mähen gezielt nur Gehwege und die Bereiche direkt um die Bäume. Hier erfährst du das Wie und Warum.
Warum nicht einfach alles mähen?
Eine Streuobstwiese ist ein komplexer Lebensraum. Wenn wir alles auf einmal kurzmähen, nehmen wir unzähligen Insekten, Spinnen und Amphibien schlagartig Nahrung und Deckung. Zudem trocknet der Boden bei Sommerhitze ohne die schattenspendende Grasschicht viel schneller aus. Das Stehenlassen großer Flächen schützt die Artenvielfalt und den Wasserhaushalt der Wiese enorm.
Warum nur Wege und Baumscheiben?
Ganz ohne Mähen geht es in der Praxis aber nicht. Wir brauchen Zugang zu den Bäumen, um sie auf Schädlinge zu kontrollieren, Äste zu stützen oder später zu ernten. Dafür reicht es völlig aus, einfache Gehwege durch das hohe Gras zu mähen.
Das Mähen direkt um den Stamm herum (die sogenannte Baumscheibe freihalten) hat hingegen handfeste baumpflegerische Gründe:
Konkurrenz vermeiden: Hohes Gras entzieht den flachen Wurzeln der Obstbäume, besonders bei Jungbäumen, wichtiges Wasser und Nährstoffe.
Wühlmäuse abwehren: Die Nager meiden offene, ungeschützte Flächen aus Angst vor Greifvögeln. Halten wir den Bereich um den Stamm kurz, bauen sie dort deutlich seltener ihre Gänge und fressen seltener an den Wurzeln.
Warum ausgerechnet die Sense?
Die Sense ist das ideale Werkzeug für diese gezielte Arbeit auf der Streuobstwiese. Sie ist leise, verpestet die Luft nicht mit Abgasen und – ganz entscheidend für die Natur – sie schneidet das Gras sauber ab, statt es wie ein Fadenmäher (Trimmer) zu zerschreddern. So überleben deutlich mehr Insekten, die sich im Gras aufhalten.
Das “Wie”: Worauf du in der Praxis achten musst
Der richtige Zeitpunkt: Mähe am besten früh morgens. Wenn noch Tau auf dem Gras liegt, stehen die Halme straff und die nasse Klinge der Sense gleitet viel leichter durch das Schnittgut. Bei trockenem Nachmittagsgras wird das Mähen zur Schwerstarbeit.
Die Wege anlegen: Ein ruhiger Schwung mit der Sense (ein Mähschwaden) reicht in der Breite völlig aus, um einen begehbaren Pfad von Baum zu Baum zu schaffen. Man muss keine Autobahnen in die Wiese schlagen.
Absolute Vorsicht am Stamm: Beim Mähen um den Baum herum ist Konzentration gefragt. Die Rinde von jungen und mittelalten Obstbäumen ist sehr empfindlich. Ein versehentlicher Treffer mit der scharfen Sensenklinge verursacht tiefe Wunden, die sofort Eintrittspforten für Pilze und Krankheiten sind. Halte immer einen sicheren Abstand zum Stamm. Den restlichen Grasbüschel direkt am Holz kannst du notfalls mit der Hand ausreißen oder mit einer kleinen Sichel kappen.
Wohin mit dem Schnittgut?
Hier kommt es darauf an, welches Ziel du auf der Wiese verfolgst:
Mulchen der Baumscheibe: Eine dünne Schicht des Schnittguts kannst du direkt auf der freigemähten Baumscheibe verteilen. Das hält die Feuchtigkeit im Boden. Achte aber darauf, das Gras nicht direkt an die Rinde zu häufeln, da sonst Fäulnis droht.
Abtransport für Magerwiesen und Förderungen: Wenn du das Ziel hast, eine artenreiche Magerwiese zu entwickeln, oder wenn eure Fläche an speziellen landwirtschaftlichen Förderprogrammen teilnimmt, darf das restliche Gras nicht auf der Wiese verrotten. Verrottendes Schnittgut wirkt wie Dünger. Für eine Magerwiese (und damit für das Ansiedeln seltener Wildblumen) muss dem Boden aber kontinuierlich Nährstoff entzogen werden. In diesem Fall muss das Gras zwingend von der Fläche abtransportiert werden.