Leserfrage: Jungbaum verliert plötzlich Blätter
Uns hat eine Frage zu einem frisch gepflanzten Apfelbaum erreicht. Der Baum wurde im letzten Jahr gepflanzt, trieb in diesem Frühjahr auch ganz normal Blätter aus, hat diese nun aber plötzlich alle abgeworfen. Wir schauen uns an, was die Ursachen sein können und wie man jetzt am besten vorgeht.
Wenn ein Jungbaum im Frühjahr normal austreibt und dann im Mai oder Juni schlagartig alle Blätter abwirft, ist das meist ein Zeichen dafür, dass die Versorgungslinie zwischen Wurzeln und Krone unterbrochen ist. Der Baum hat im Frühjahr die eingelagerte Energie aus dem Stamm genutzt, um die Blätter zu schieben. Sobald diese Energie aufgebraucht ist, müssen die Wurzeln Wasser und Nährstoffe liefern. Passiert das nicht, wirft der Baum die Blätter ab, um nicht auszutrocknen.
Folgende drei Ursachen solltest du jetzt direkt am Baum untersuchen:
1. Der Rüttel-Test: Wühlmäuse Wühlmäuse lieben die jungen, süßen Wurzeln von frisch gepflanzten Apfelbäumen. Es passiert oft, dass sie über den Winter die kompletten Wurzeln abfressen. Die Untersuchung: Greif den Stamm und rüttle vorsichtig daran. Steht der Baum fest im Boden, oder lässt er sich fast widerstandslos hin und her bewegen oder sogar leicht anheben? Wenn er locker sitzt und du Fraßgänge im Boden siehst, haben Wühlmäuse die Wurzeln zerstört.
2. Der Feuchtigkeits-Test: Trockenstress Ein Jungbaum hat noch kein tiefes Wurzelwerk. Gerade bei warmem, windigem Wetter im Frühjahr trocknet der Oberboden schnell aus. Wenn der Baum bei der Pflanzung nicht ausreichend eingeschlämmt wurde oder Hohlräume an den Wurzeln geblieben sind, verdurstet er. Die Untersuchung: Grabe mit einer kleinen Schaufel direkt neben dem Wurzelballen etwa 15 bis 20 Zentimeter tief. Ist die Erde dort staubtrocken? Dann fehlt schlichtweg Wasser.
3. Der Vitalitäts-Test (Kratzprobe): Lebt der Baum noch? Um herauszufinden, ob der Baum noch zu retten ist, machst du den sogenannten Kratztest. Die Untersuchung: Kratze mit dem Fingernagel oder einem Taschenmesser an einem der Zweige vorsichtig ein winziges Stück der obersten, braunen Rinde ab. Ist das Gewebe darunter frisch und saftig grün? Dann lebt der Baum noch. Ist es trocken, hart und braun, ist dieser Ast (oder der ganze Baum) abgestorben.
Was tun, wenn er noch lebt? Wenn keine Wühlmäuse am Werk waren und der Kratztest grün ist: Wässere den Baum durchdringend (gerne 20 bis 30 Liter auf einmal, aber ohne Staunässe zu produzieren) und halte die Baumscheibe frei von Gras, damit dieses nicht um das Wasser konkurriert. Oft treibt der Baum nach ein bis zwei Wochen aus den schlafenden Knospen neu aus (der sogenannte Johannistrieb).