Nach den Eisheiligen
Die Eisheiligen liegen hinter uns und das bange Warten auf das Thermometer hat ein Ende. Glücklicherweise sind kritische Nachtfröste bei uns ausgeblieben, sodass die jungen Fruchtansätze unbeschadet wachsen können. Zeit für eine erste vorsichtige Prognose für den Herbst.
Ein genauer Blick in die Baumkronen auf unseren Wiesen zeigt aktuell ein zweigeteiltes Bild. Während es nach einem sehr starken Jahr für Birnen aussieht, halten sich die Apfelbäume deutlich zurück. Für viele Äpfel zeichnet sich ein eher magerer Ertrag ab.
Dass unsere Äpfel nach dem Rekordjahr 2025 nun eine Pause einlegen, ist jedoch kein Grund zur Sorge. Es ist die Folge eines bekannten botanischen Phänomens: der Alternanz.
Die Alternanz: Warum Bäume eine Pause machen
Unter Alternanz versteht man im Obstbau die natürliche, oft zweijährige Schwankung des Fruchtertrages. Einem Jahr mit extrem hohem Ertrag (dem sogenannten Mastjahr) folgt oft ein Jahr, in dem der Baum kaum blüht und entsprechend wenig Früchte trägt.
Dafür gibt es zwei Hauptgründe: Einerseits verbraucht der Baum in einem Rekordjahr wie 2025 enorme Mengen an Kohlenhydraten und Nährstoffen, um die vielen Früchte zu versorgen. Diese Energie fehlt ihm im darauffolgenden Frühjahr schlichtweg für die Bildung neuer Blüten.
Der noch entscheidendere Faktor ist jedoch hormoneller Natur. Die heranwachsenden Samen (Kerne) im Inneren der vielen Äpfel produzieren spezielle Pflanzenhormone, die sogenannten Gibberelline. Diese Hormone verteilen sich im Baum und blockieren aktiv die Anlage neuer Blütenknospen für das nächste Jahr.
Einfach gesagt: Weil unsere Apfelbäume im Spätsommer 2025 so stark mit der Versorgung ihrer unzähligen Früchte beschäftigt waren, haben sie keine Knospen für das Frühjahr 2026 gebildet. Durch diesen Mechanismus schützt sich der Baum vor der völligen Erschöpfung und sammelt in diesem Jahr wieder Kraft für die nächste große Ernte.
Lässt sich die Alternanz verhindern?
Das nachhaltigste Mittel für ein gesundes Gleichgewicht auf unseren Streuobstwiesen ist ein regelmäßiger, ausgleichender Winterschnitt. Damit nimmt man dem Baum schon vor dem Austrieb einen Teil der Last und fördert die Bildung von neuem Fruchtholz.
Zusätzlich kann man im Frühjahr bei jüngeren Bäumen oder in den gut erreichbaren unteren Kronenbereichen großer Hochstämme überschüssige Blüten händisch entfernen. So drosselt man frühzeitig die Hormonproduktion im Baum. Wartet man damit jedoch bis in den Juni, um beispielsweise beim natürlichen “Junifall” noch händisch Früchte auszudünnen, ist es für das Brechen der Alternanz meist schon zu spät: Die Anlage der Knospen für das nächste Jahr ist dann bereits abgeschlossen.
Wie sieht es auf deiner Wiese aus?
Das ist die Situation bei uns – aber wie ist der Stand der Dinge bei dir? Tragen deine Apfelbäume dieses Jahr gut, oder legen sie nach dem letzten Jahr auch eine Pause ein? Wie entwickeln sich die Birnen?
Schreib mir gerne ein paar Zeilen oder schick direkt ein Foto deiner Fruchtansätze an info@streuobstfreunde-sulzbach.de. Ich bin gespannt auf deine Beobachtungen.
Hier sind noch ein paar aktuelle Aufnahmen der Fruchtansätze von unseren Wiesen: