Steinhaufen & Totholz: Lebensraum für Mauswiesel, Eidechsen, Igel und Wildbienen
Wieso, weshalb, warum?
Auf einer Streuobstwiese fällt fast immer Material an: Egal ob Steine, die beim Graben zutage treten, oder Totholz vom letzten Baumschnitt. Statt dieses Material mühsam abzutransportieren, lässt es sich vor Ort nutzen, um wertvolle Mikrohabitate für zahlreiche Nützlinge zu schaffen.
Ein kombinierter Stein- und Totholzhaufen ist ein echter Hotspot der Biodiversität. Die Steine heizen sich tagsüber in der Sonne auf und geben die Wärme nachts ab, während das sich langsam zersetzende Holz Feuchtigkeit speichert und Nahrung für unzählige Insekten bietet.
Wer profitiert vom Steinhaufen & Totholzhaufen?
Mauswiesel & Hermelin: Das kleine Raubtier ist der effektivste natürliche Feind der Wühlmaus. Da Mauswiesel schlank genug sind, um Wühlmäusen in ihre unterirdischen Gänge zu folgen, reduzieren sie Fraßschäden an den Wurzeln junger Obstbäume drastisch. In den tiefen, frostfreien Höhlen des Steinhaufens ziehen sie ungestört ihre Jungen auf.
Reptilien (Zauneidechsen, Blindschleichen & Schlingnattern): Eidechsen nutzen die sonnenexponierten Steine morgens als „Batterie“, um ihre Körpertemperatur hochzufahren. Die tiefen Spalten dienen ihnen als Schutz vor Fressfeinden und als perfektes Überwinterungsquartier.
Amphibien (Erdkröten & Grasfrösche): Besonders in den feuchteren, schattigen Bereichen im Inneren des Haufens finden Kröten und Molche im Sommer kühle Zuflucht und im Winter einen frostfreien Schlafplatz.
Igel & Klein-Säuger: Unter der schützenden Abdeckung aus Totholz und Reisig bauen Igel bevorzugt ihre Nester für den Winterschlaf. Auch Spitzmäuse (nützliche Insektenfresser) nutzen den Haufen als Revier.
Insekten & Spinnentiere (Wildbienen, Hummeln & Laufkäfer): Totholz zieht Totholzkäfer und Wildbienen an. Verlassene Mäusenester in den Hohlräumen werden im Frühjahr extrem gerne von Hummelköniginnen zur Staatengründung genutzt. Räuberische Laufkäfer und Glühwürmchenlarven jagen hier erfolgreich Nacktschnecken.
Vögel (Zaunkönig & Rotkehlchen): Kleine Singvögel nutzen das Reisigdach als geschützte Ansitzwarte zur Insektenjagd oder bauen direkt im dichten Astwerk ihr Nest.
Den Standort an die Umgebung anpassen
Ein Steinhaufen sollte nicht wahllos in die Landschaft gekippt werden. Die Umgebung entscheidet, wer einzieht:
Sonne und Deckung: Der ideale Standort ist sonnig bis halbschattig, damit die Steine Wärme speichern können. Gleichzeitig sollte er nicht völlig isoliert mitten auf der kurzgemähten Wiese liegen. Besser ist ein Platz am Rand, in der Nähe einer Hecke, eines Altgrasstreifens oder an einer Böschung. So haben die Tiere eine geschützte „Einflugschneise“.
Trockenheit: Der Untergrund sollte nicht dauerfeucht sein. Eine nasse Senke ist ungeeignet, da die Höhlen im Inneren bei Regen volllaufen würden.
Kombination mit Totholz und Schlafplätzen („Wieselburg“)
Die beste Variante ist tatsächlich die Kombination aus Steinen und Holz: Ein reiner Totholzhaufen verrottet mit der Zeit komplett und sackt in sich zusammen. Ein reiner Steinhaufen bietet wiederum weniger Nahrung für holzbewohnende Insekten.
Wenn man beides kombiniert (unten Steine mit Hohlräumen, oben Totholz und Reisig), baut man eine sogenannte Wieselburg:

Grube ausheben: Man gräbt zunächst ein etwa 50 cm tiefes Loch (ca. 1x1 Meter).
Hohlraum schaffen: Unten in die Grube legt man größere Steine oder alte, unglasierte Tonrohre so aneinander, dass eine trockene, stabile Kammer entsteht.
Schichten: Darüber schichtet man weitere faust- bis kopfgroße Steine auf, bis man über dem Bodenniveau ist. Erde sollte man nicht dazwischen füllen, damit die Hohlräume als Gänge offen bleiben.
Das Dach: Den Abschluss bildet eine dichte Schicht aus Totholz, dicken Ästen und feinerem Reisig. Das Holz schützt die Steine vor starkem Regen, isoliert im Winter und zieht Insekten an.
Ein solcher Haufen macht einmalig Arbeit beim Anlegen, funktioniert danach aber über Jahre hinweg völlig wartungsfrei als ökologischer Motor auf der Wiese.
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